Ich habe soeben das Buch “Atomfieber – Eine Geschichte der Atomenergie in der Schweiz” von Michael Fischer gelesen.
Das nehme ich mit:
- Der Bundesrat belog immer wieder das Parlament und die Bevölkerung, was die Entwicklung eigener Kernwaffen anging. Vorallem Kobelt war dreist. Erst 1988 wurde die Entwicklung einer eigenen Atombombe aufgegeben, als klar wurde, dass es mit den Schnellen Brütern nichts wird.
- Die USA hat durch Preisdumping die Schweizer Reaktorentwicklung entscheidend unterminiert. Ganze Kernkraftwerke wurden zu günstigen Fixpreisen verkauft. Die Reaktor AG konnte nicht mithalten. Wirtschaftsdepartement und Militärdepartement verfolgten widersprüchliche Ziele. Zivile Nutzung wurde durch die USA gefördert und die Militärische dadurch erfolgreich verhindert.
- Die Sovjets begonnen schon um 1946 mit dem Bau von Kernreaktoren, weit bevor 1949, als sie ihre erste Atombombe zündeten. Diese Weitsicht führte dazu, dass sie 1954 das erste Atomkraftwerk der Welt in Obninsk in Betrieb nehmen konnten.
- Die Aromkraft war für die Schweiz besonders attraktiv, weil es da keine Kohle-, Öl- oder Gasvorkommen gibt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde deshalb auch vermehrt auf Wasserkraftwerke gesetzt.
- Paul Scherrer war eine unglaublich prominente Person. Er konnte schon 1945 Informationen aus den amerikanischen Atomanlagen in die Schweiz schaffen.
- Die Schweiz war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mit dem Wiederaufbau der eigenen Infrastruktur beschäftigt. So konnte sie internationale Konferenzen hosten und als erstes Land Atomreaktoren zu Forschungszwecken von den USA kaufen.
- Die Schweiz ist zu dicht besiedelt um Kernkraftwerke einigermassen sicher zu platzieren. Die Evakuierungszonen von ca. 50km sind zu gross. Die Geologie lässt auch unterirdische Kraftwerke und Endlager nicht einfach zu. So war z.B. das Containment in Lucens nicht dicht und das am besten geeignete Endlager im Jura hat gerade mal eine maximale Breite von 100m obwohl 40 Jahre danach gesucht wurde.
- Haupsächlicher Stein des Anstosses beim geplanten AKW Kaiseraugst waren die Kühltürme. Ängste vor Radioaktivität wurden erst im Nachhinein Teil der Kontroverse.
- Eine Havarie ist nach ein paar Jahren beinah vergessen; auch wenn sie schwerwiegend wie in Fukushima die Umsiedelung von 150’000 Menschen erforderte.
- Die direkte Demokratie verhindert ambitionierte Grossprojekte wenn die externalisierten Kosten unklar, aber mit sichtbaren Risiken behaftet sind. Interessant bei der Atomkraft ist besonders, dass die Unsichtbarkeit der Radioaktivität zu einem besonderen Bewusstsein der Gefahr führt. Diese Unsichbarkeit macht Marketing (für oder gegen beide Seiten) besonders wirksam. Rationale Argumente sind schwierig zu führen. Es ist religiös. Für unerschöpfliche Energie und Wohlstand oder gegen den unsichtbaren Dämon des radioaktiven Zerfalls. Können wir Technologie schlussendlich beherrschen?
