SPAGHETTI ALLA LISA
Fall Nr. 4 Tom Borsalino & seine Katze Emily
Ein warmer Novemberabend in der Stadt. Tom Borsalino fütterte in seinem schäbigen Wohnwagen-Büro seine schwarze Katze Emily mit Sardinen, als es heftig an der Tür klopfte.
Der aufgeregte Galerist von Raff trug einen zerknitterten Designeranzug und schwitzte. "Herr Borsalino, eine Katastrophe! Pistoletto ist verschwunden!"
"Michelangelo Pistoletto?", fragte Emily und leckte sich genüsslich die Pfoten. "Der Arte-Povera-Objektkünstler mit den Spiegeln?"
Der Galerist nickte heftig. "Mitten während der Vernissage! Einfach weg!"
In der Galerie hingen Pistolettos berühmte Spiegelwerke. In einem besonders großen Wandspiegel flimmerte es seltsam.
"Siehst du das?", fragte Tom und zog seinen selbstgebastelten Quantum-Detektor hervor.
Emily schnurrte. "Ein temporales Portal. Steck den Quatsch weg. Wir springen einfach durch."
Ein Wirbel später standen sie im Florenz des Jahres 1503. Pistoletto saß auf einem sonnigen Balkon neben der Mona Lisa, die immer wieder zum Maler hinübersah und sich das Lachen verkniff.
"Ah, jetzt verstehe ich!", rief Pistoletto begeistert. "Das berühmteste Lächeln der Kunstgeschichte!"
Denn da stand er: Leonardo da Vinci, völlig vertieft in seine Arbeit, mit einer einzelnen, langen Spaghetti auf der Wange, die bei jedem Pinselstrich leicht mitschwang.
"Madonna Lisa", flüsterte Emily, "Sie lächeln wegen der Nudel?"
"Was soll ich denn machen?", kicherte die Mona Lisa leise. "Der Maestro ist so in seine Arbeit vertieft. Er kam aus der Mittagspause und seit einer Stunde hängt die Spaghetti dort, und er merkt nichts!"
"Daher also die berühmte Variante „Mona Lisa mit Spaghetti von diesem Duchamp", rief Pistoletto. "Jetzt ergibt alles einen Sinn!"
"Signor Pistoletto", sagte Tom, "die Gegenwart wartet."
"Nur noch einen Moment", bat der Künstler und skizzierte schnell Leonardo mit Nudelbacke. "Die Kunstwelt wird es mir nie glauben!"
Zurück in der Galerie strich sich Tom über seinen Hut. "Wieder ein Fall gelöst!"
"Ja", schnurrte Emily, "aber ich hätte jetzt Lust auf Spaghetti. Mit Sardinen.“
Galerist von Raff schüttelte nur den Kopf. "Die größten Geheimnisse der Kunst..."
"...sind manchmal so einfach wie eine verirrte Nudel", beendete Emily den Satz und lächelte geheimnisvoll.
